Barême:

Compréhension: 8 questions 8 points sur 20

Lexique: 10 questions 5 points sur 20

Grammaire: 21 questions 7 points sur 20

Réponse juste: + 3 vide: 0 fausse: -1

ALLEMAND

EIN BISSCHEN FAUL IST JEDER

Arbeitslose brauchen individuelle Betreuung. Doch den Arbeitsämtern fehlt das Personal.

Christian Lorenz ist einer von den 1,3 Millionen Deutschen, die das ganze Jahr 2000 über mindestens zwölf Monate lang arbeitslos gemeldet waren. Er zählt also zu den Langzeitarbeitslosen. Er ist Maurer von Beruf. Zweimal musste er operiert werden. jetzt bekommt er eine Rente wegen Berufsunfähigkeit. Zusätzlich ist er beim Arbeitsamt registriert. Dort wird die Rente aufgestockt, auf das Niveau der Arbeitslosenhilfe. Denn Lorenz könnte ja arbeiten. Nur darf es kein körperlich anstrengender Job wie früher sein. Ein einziges Angebot hat ihm, das Arbeitsamt in den vergangenen zwei Jahren gemacht. Er hat die Stelle nicht bekommen. Ist er ein Drückeberger?

Bisher durften Arbeitslose auf allgemeines Mitgefühl rechnen. Gerhard Schröder selbst hatte sich zu Ihrem Schutzherrn ernannt, indem er ihnen Jobs versprach. Ihren Arbeitswillen dann anzuzweifeln war also politisch nicht korrekt, obwohl mancher Arbeitsloser das Arbeitslosengeld gern fürs Nichtstun kassierte. Jetzt fühlen sich willige Jobsuchende als Faulpelze diffamiert. Wer keinen Job findet, ist selber schuld, so scheint es. Die Drückeberger herauszufiltern ist schwierig – Der Anteil liegt aber unter zehn Prozent. Der entscheidende Grund dafür, dass Christian Lorenz nur eine einzige Chance vom Arbeitsamt bekam, ist, dass er 51 Jahre alt ist. Der Grund für eine Langzeitarbeitslosigkeit ist nämlich zuerst das Alter. Allerdings wollen manche Arbeitslose über 50 tatsächlich ", nicht mehr arbeiten. Sie wurden von ihrer Firma mit einer Geldsumme entlassen. So können sie ihr Arbeitslosengeld bis zur Rente aufstocken. Diese Menschen begreifen sich nicht als arbeitslos. sondern als Frührentner. Sind sie faul?

Auch Christina Kunze war im vergangenen Jahr arbeitslos. Mit ihrer neuen Chefin, in deren Vorzimmer sie als Sekretärin saß, stimmte die Chemie nicht. Sie einigten sich auf die Entlassung von Christina. Der Sekretärin war das sehr recht. Sie spricht vier Sprachen und konnte ohne weiteres einen neuen Job finden. Zuerst aber ging sie zum Arbeitsamt um Unterstützung zu beantragen. Zwei Monate später begann sie wieder zu arbeiten. Ich wollte mir eine Auszeit zwischen den beiden Jobs gönnen", sagt die 34 Jährige. Das ist weit verbreitet und wird im Allgemeinen toleriert. Oft spielen die Arbeitgeber mit und kündigen dem Mitarbeiter. obwohl er selbst die Firma verlassen wollte. Denn nur so gibt es Arbeitslosengeld. Ist also Faulheit auf Kosten der Gesellschaft unter Kurzzeitarbeitslosen verbreiteter als unter den Langzeitarbeitslosen?

Das Phänomen Faulheit ist schwer zu fassen. Ein paar Wochen Nichtstun, im Urlaub oder bevor der neue Job beginnt, das genießen fast alle. Wenn sich diese Phase aber zu lange ausdehnt, wenn kein Ende der Arbeitslosigkeit abzusehen ist, dann schlägt sie den allermeisten aufs Gemüt. Langeweile macht sich breit. Soziale Kontakte gehen verloren, das Selbstbewusstsein leidet. Depressionen, Ehekrisen. ja sogar Alkoholismus drohen. Die Rückkehr ins Berufsleben wird umso schwerer. Zunächst sind persönliche Probleme zu lösen. Aber solche Unterstützung erhalten Jobsuchende beim Arbeitsamt nicht. Dort wie auch auf den Sozialämtern wurde in den vergangenen Jahren Personal abgebaut. Da ist nicht daran zu denken, mit einem Klienten stundenlang zu reden. Schon am Zeitmangel dürften deshalb die Pläne der Bundesregierung scheitern, für jeden einzelnen Arbeitslosen ein persönliches Profil und einen Integrationsplan zu entwickeln.

 

Nach Ulrike Meyer-Timpe,

Die Zeit Nr. 17, 19. April 2001